Der neue Dirigent setzt schon energische Zeichen

Dortmund. Der Empfang konnte nicht herzlicher sein. Das Publikum im ersten Philharmonischen Konzert der Saison in Dortmund begrüßte den neuen Generalmusikdirektor Jac van Steen mit jubelndem Applaus.

Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer wünschte dem Dirigenten "Toi toi toi" für die neue Aufgabe - auch im Hinblick auf die Kulturhauptstadt 2010, bei der sich Dortmund als Musikstadt präsentieren will. Jac van Steen dankte und versprach, sein Bestes zu geben.

Jac van Steen wird als Gast die Philharmoniker in zwei weiteren Konzerten und in zwei Opernproduktionen betreuen, bevor er in der Saison 2008/09 endgültig offiziell seinen Chefposten antritt.

Seine musikalische Visitenkarte hat der sympathische Holländer freilich längst abgegeben. In zwei Konzerten stand er bereits am Pult der Philharmoniker. Er konnte die Dortmunder Musiker kennenlernen - und sie ihn. Da entstand schon Freundschaft.

Jac van Steen ist ein Musiker von souveräner Ausstrahlung. Seine sparsame, präzise und energische Zeichengebung schafft ein klares Klangbild und übermittelt den Musikern ausdrucksvoll seine gestalterische Absicht.

Es begann mit einem klassischen Juwel: dem Violinkonzert D-Dur von Beethoven, eindrucksvoll musiziert mit der jungen Geigerin Isabelle Faust. Sie entlockt ihrem "Dornröschen" (eine Stradivari von 1704) bezaubernd feine lyrische Töne, die speziell im zweiten Satz mit zarter Innigkeit betören. Auch den umspielenden virtuosen Passagen gibt sie Sinn und Gewicht, unterstützt von einem zurückhaltenden und in den eigenen Teilen profilstarken Orchester.

Im zweiten Teil führte van Steen das Publikum mutig in die eher unbekannten musikalischen Gefilde Nordeuropas. In schmeichelnder Klangfülle spielte das Streichorchester die Suite op. 1 "The Fiddlers" des Finnen Einojuhani Rautavaara, volltönend , mit erzählerischer Geste undCharme musiziert.

Dann folgte Carl August Nielsens gewaltige vierte Sinfonie "Det Uudslukkelige" (Das Unauslöschliche) - ziemlich schwere Kost für Hörer und Musiker. Das in den Jahren 1914-16 entstandene Werk ist Protest gegen Kriegszerstörungen und beschwört den elementaren Willen zum Leben, eingeflossen in ein kompaktes, machtvolles, bisweilen sprödes Klangbild.

Hier setzte Jac van Steen enthusiastisch weitgespannte, flutende Linien, fulminante Steigerungen, türmte überbordende,dabei übersichtlich bleibende Klangmassen auf - bis zum versöhnlich hymnischen Schluss: Das Leben ist unauslöschlich!

Fazit: Es war der vielversprechende Beginn einer sicher spannenden Interimsspielzeit für die Dortmunder Philharmoniker!

Der Westen 27.09.2007