Riesengesten an die Theater-Zuschauer

Dortmund, 20.02.2008, Von Nadine Albach
 
Er hat eine "Riesengeste" an das Publikum versprochen - jetzt liefert er sie: Der designierte Generalmusikdirektor Jac van Steen glänzte bei der Spielplanvorstellung des Theaters für 2008/09 mit neuen Ideen. ...

.. Bei einem Konzert will er gar das Publikum über die Musik abstimmen lassen. Eigentlich hätte Jac van Steen gar nicht da sein müssen. Aber auch, wenn er noch designierter GMD ist, ließ er es sich nehmen, seine Pläne persönlich vorzustellen. Und: "Es ist allen ein Anliegen, dass das Haus voll wird. Und ich trage die volle Verantwortung dafür. Aber wir müssen raus aus der negativen Spirale. Wenn wir das zusammen machen wollen, schaffen wir das", sagte van Steen.

Schon im August letzten Jahres hatte er erklärt, er wolle nicht populistisch sein, aber auch "nicht nur für drei Prozent der Musikliebhaber" spielen. In der Spielzeit 06/07 hatten die Philharmoniker eine Auslastung von 65,5 Prozent erreicht.

Also geht van Steen auf das Publikum zu: Beim 10. Philharmonischen Konzert dürfen die Zuschauer vorab abstimmen, was in der zweiten Hälfte gespielt wird. Van Steen stellt fünf Top-Werke der Klassik-Literatur zur Wahl. Und auch zu Entdeckungsreisen mit "K, K und K", Kaffee, Kuchen und Konzert lädt der Dirigent:

Ein Schritt in Richtung Publikum

Er will einen Teil der Probe öffentlich machen, vielleicht auch schon bei der Einführung mitwirken.

Ansonsten ist sein Programm geprägt von Linien, die er in den Jahren beibehalten will: Einmal pro Spielzeit - sollen Dortmunder Chöre zusammenkommen, - spartenübergreifende Aufführungen entstehen, - ein Literaturschwerpunkt gesetzt werden, diesmal Shakespeare -und ein Komponist im Fokus stehen, so wie Antoni?n Dvora?k 2008/2009.

Außerdem spielen die Philharmoniker möglichst nichts, was in den letzten fünf Jahren auf dem Plan stand. "Wie Sie hören: Ich bin stolz", endete van Steen.

Das sind die anderen Spartenleiter natürlich auch: Schauspieldirektor Michael Gruner etwa kann mit "woman and scarecrow" von Marina Carr auf eine deutschsprachige Erstaufführung sowie drei Uraufführungen verweisen - darunter das in dieser Spielzeit verschobene "Experiment" sowie Felix Römers "Guglhupf" und das "neid-projekt von Hubert Carneval. Ansonsten sind die Stücke geprägt von Themen wie Angst und Einsamkeit in ihren Facetten.

Unter das Motto "Nichts ist, was es scheint", hat Opernintendantin Christine Mielitz die Pläne des Musiktheaters gestellt - und tut sich sogleich für "Tosca" mit van Steen zusammen. Ansonsten reicht das Spektrum von "Im weißen Rössl" bis zu Henzes "Der junge Lord", gibt es auch Mozarts Zauberflöte und das Musical "Der Kuss der Spinnenfrau" zu hören. Ballettdirektor Xin Peng Wang choreografiert "Krieg und Frieden" mit Musik von Dimitri Schostakowitsch.

Auf eine "erschreckende" Tendenz machte Andreas Gruhn, Leiter Kinder- und Jugendtheater (KJT), aufmerksam: Die Lehrer gingen mit ihren Schülerinnen und Schüler nur noch dann ins Theater, wenn das Gezeigte zum Lehrplan passe. Entsprechend eröffne das KJT mit Schillers "Don Karlos".

Der Westen, 20.02.2008