Song TextsArnold Schönberg Vier Lieder op. 2 ( 1899)
Erwartung
Aus dem meergrünen Teiche
Neben der roten Villa
Unter der toten Eiche
Scheint der Mond.
Wo ihr dunkles Abbild
Durch das Wasser greift,
Steht ein Mann und streift
Einen Ring von seiner Hand.
Drei Opale blinken;
Durch die bleichen Steine
Schwimmen rot und grüne
Funken und versinken.
Und er küßt sie, und
Seine Augen leuchten
Wie der meergrüne Grund:
Ein Fenster tut sich auf.
Aus der roten Villa
Neben der toten Eiche
Winkt ihm eine bleiche
Frauenhand.
Schenk mir deinen goldenen Kamm
Schenk mir deinen goldenen Kamm;
Jeder Morgen soll dich mahnen,
Daß du mir die Haare küßtest.
Schenk mir deinen seidenen Schwamm;
Jeden Abend will ich ahnen,
Wem du dich im Bade rüstest,
O Maria!
Schenk mir Alles, was du hast;
Meine Seele ist nicht eitel,
Stolz empfang ich deinen Segen.
Schenk mir deine schwerste Last:
Willst du nicht auf meinen Scheitel
Auch dein Herz, dein Herz noch legen,
Magdalena?
Erhebung
Gib mir deine Hand,
Nur den Finger, dann
Seh ich diesen ganzen Erdkreis
Als mein Eigen an!
O, wie blüht mein Land,
Sieh dir's doch nur an!
Daß es mit uns über die Wolken
In die Sonne kann!
Waldsonne
In die braunen, rauschenden Nächte
Flittert ein Licht herein,
Grüngolden ein Schein.
Blumen blinken auf und Gräser
Und die singenden, springenden Waldwässerlein,
Und Erinnerungen.
Die längst verklungenen:
Golden erwachen sie wieder,
All deine fröhlichen Lieder.
Und ich sehe deine goldenen Haare glänzen,
Und ich sehe deine goldenen Augen glänzen
Aus den grünen, raunenden Nächten.
Und mir ist, ich läge neben dir auf dem Rasen
Und hörte dich wieder auf der glitzeblanken Syrinx
In die blauen Himmelslüfte blasen.
In die braunen, wühlenden Nächte
Flittert ein Licht,
Ein goldener Schein.Alexander Zemlinsky Liederen (1895 - 1898)
Uit op.2:
Frühlingstag
Es ist so still, als wär' es Schlafenszeit,
Als wär' entschlummert Not und Leid,
Gestorben Angst und Qual.
Kein Hauch bewegt die Bäume,
Wie unschuldsvolle Kinderträume
Ziehn leis die Wölklein übers Tal
Empfängnis
Du weiche Nacht, o komm mich zu umfangen.
Mein Sehnen rundest du und reifst den Wein.
Ein seliges, ein stummes Heiland-Bangen
Schwellt meine Seele, zur Empfängnis rein.
Und wie ich sehnend meine Arme breite,
Da ringt sich von des Himmels Früchten los
Ein heller Keim und fällt aus Gottes Weite
In meiner Seele betend bangen Schoß.Uit op.5:
Tiefe Sehnsucht (Maienkätzchen, erster Gruß)
Maienkätzchen, erster Gruß,
Ich breche euch und stecke euch
An meinen alten Hut.
Maienkätzchen, erster Gruß,
Einst brach ich euch und steckte euch
Der Liebsten an den Hut.
Schlaf nur ein!
Ach, was bin ich aufgewacht?
Ob am Haus die Liebste klopft?
Leise tönt es durch die Nacht!
,,Schlaf nur ein,
Schlaf nur ein!
Regen an die Scheiben klopft.``
Warum klingt mir doch das Ohr?
Spricht von mir das falsche Kind,
Das mich aus dem Sinn verlor? -
,,Schlaf nur ein,
Schlaf nur ein!
Herdenglocken rührt der Wind.``
Und sie sah im Traum mich an,
Und sie sprach: Du glaubst es kaum,
Was ich leide, süßer Mann! -
,,Schlaf nur ein,
Schlaf nur ein!
Schlaf ihn aus, den falschen Traum!``
Uit op.7:
Da waren zwei Kinder
Da waren zwei Kinder, jung und gut,
Aber ihr Blut
Floß gar zu schnelle.
Sie lachten sich zu,
Da warf ihre Ruh'
Die erste harmlose Welle.
Doch jeden Tag warf sie eine mehr,
Bis gar wild hin und her
Wogen wallten.
Da ging es zum Sterben,
Gradaus ins Verderben -
Sie konnten ihr Herz nicht halten.
Entbietung
Schmück dir das Haar mit wildem Mohn,
Die Nacht ist da,
All ihre Sterne glühen schon,
All ihre Sterne glühn heut dir!
Du weißt es ja:
All ihre Sterne glühn in mir!
Dein Haar ist schwarz, dein Haar ist wild
Und knistert unter meiner Glut;
Und wenn sie schwillt,
Jagt sie mit Macht
Die roten Blüten und dein Blut
Hoch in die höchste Mitternacht.
In deinen Augen glimmt ein Licht,
So grau in grün,
Wie dort die Nacht den Stern umflicht,
Wann kommst du?! - Mein Fackeln lohn!
Laß glühn, laß glühn!
Schmück mir dein Haar mit wildem Mohn!
Irmelin Rose
Seht, es war einmal ein König,
Dem die Schätze reich gedich'n,
Und der beste, der ihm eigen,
Hieß mit Namen Irmelin.
Irmelin Rose,
Iremlin Sonne,
Irmelin alles, was schön war.
Schier von jedem Ritterhelme
Wehte ihrer Farben Schein,
Und mit jedem Reim der Sprache
Klang ihr Name überein:
Irmelin Rose,
Iremlin Sonne,
Irmelin alles, was schön war.
Freier kamen scharenweise
Hergezogen zum Palast,
Und mit zärtlichen Gebärden
Klang ihr Schmeicheln ohne Rast:
Irmelin Rose,
Iremlin Sonne,
Irmelin alles, was schön ist.
Doch Prinzessin Stahlherz jagte
All die Freier schnippisch fort,
Fand an jedem was zu tadeln,
Hier die Haltung, da das Wort.
Irmelin Rose,
Iremlin Sonne,
Irmelin alles, was schön ist.
Alma Mahler, Vier liederen
Die Stille Stadt (Richard Dehmel)Liegt eine Stadt im Tale,
Ein blasser Tag vergeht.
Es wird nicht lang mehr dauern
Bis weder Mond noch Sterne
Nur Nacht am Himmel steht.Von allen Bergen drücken
Nebel auf die Stadt,
Es dringt kein Dach, nicht Hof noch Haus,
Kein Laut aus ihrem Rauch heraus,
Kaum Türme noch und Brücken.Doch als dem Wandrer graute,
Da ging ein Lichtlein auf im Grund
Und aus dem Rauch und Nebel
Begann ein leiser Lobgesang
Aus Kindermund.
Laue Sommernacht (Gustav Falke)
Laue Sommernacht, am Himmel
Steht kein Stern, im weiten Walde
Suchten wir uns tief im Dunkel,
Und wir fanden uns.Fanden uns im weiten Walde
In der Nacht, der sternenlosen,
Hielten staunend uns im Arme
In der dunklen Nacht.War nicht unser ganzes Leben
Nur ein Tappen, nur ein Suchen,
Da in seine Finsternisse
Liebe, fiel dein Licht.
Ich wandle unter Blumen (Heinrich Heine)
Ich wandle unter Blumen
Und blühe selber mit,
Ich wandle wie im Traume
Und schwanke bei jedem Schritt.O halt mich fest, Geliebte!
Vor Liebestrunkenheit
Fall' ich dir sonst zu Füßen
Und der Garten ist voller Leut!
Licht in der Nacht (Otto Julius Bierbaum)
Ringsum dunkle Nacht, hüllt in Schwarz mich ein,
zage flimmert gelb fern her ein Stern!
Ist mir wie ein Trost, eine Stimme still,
die dein Herz aufruft, das verzagen will.Kleines gelbes Licht, bist mir wie der Stern
überm Hause einst Jesu Christ, des Herrn
und da löscht es aus. Und die Nacht wird schwer!
Schlafe Herz. Schlafe Herz. Du hörst keine Stimme mehr.
Alban Berg, Sieben Frühe Lieder (1907)
Nacht
Dämmern Wolken über Nacht und Tal,
Nebel schweben, Wasser rauschen sacht.
Nun entschleiert sich's mit einemmal:
O gib Acht! Gib Acht!
Weites Wunderland ist aufgetan.
Silbern ragen Berge, traumhaft groß,
Stille Pfade silberlicht talen
Aus verborg'nem Schoß;
Und die hehre Welt so traumhaft rein.
Stummer Buchenbaum am Wege steht
Schattenschwarz, ein Hauch vom fernen Hain
Einsam leise weht.
Und aus tiefen Grundes Düsterheit
Blinken Lichter auf in stummer Nacht.
Trinke Seele! Trinke Einsamkeit!
O gib Acht! Gib Acht!
Auf geheimem Waldespfade (Schilflied)
Auf geheimem Waldespfade
Schleich' ich gern im Abendschein
An das öde Schilfgestade,
Mädchen, und gedenke dein!
Wenn sich dann der Busch verdüstert,
Rauscht das Rohr geheimnisvoll,
Und es klaget und es flüstert,
Daß ich weinen, weinen soll.
Und ich mein', ich höre wehen
Leise deiner Stimme Klang,
Und im Weiher untergehen
Deinen lieblichen Gesang.
Das macht, es hat die Nachtigall
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Sie war doch sonst ein wildes Blut,
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.
Traumgekrönt
Das war der Tag der weißen Chrysanthemem,
Mir bangte fast vor seiner Pracht...
Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen
Tief in der Nacht.
Mir war so bang, und du kamst lieb und leise,
Ich hatte grad im Traum an dich gedacht.
Du kamst, und leis' wie eine Märchenweise
Erklang die Nacht.
Im Zimmer
Herbstsonnenschein.
Der liebe Abend blickt so still herein.
Ein Feuerlein rot
Knistert im Ofenloch und loht.
So, mein Kopf auf deinen Knie'n,
So ist mir gut.
Wenn mein Auge so in deinem ruht,
Wie leise die Minuten zieh'n.
Im Arm der Liebe schliefen wir selig ein(Liebesode)
Im Arm der Liebe schliefen wir selig ein,
Am offnen Fenster lauschte der Sommerwind,
Und unsrer Atemzüge Frieden trug er
hinaus in die helle Mondnacht.
Und aus dem Garten tastete zagend sich
ein Rosenduft an unserer Liebe Bett
Und gab uns wundervolle Träume,
Träume des Rausches, so reich an Sehnsucht.
Sommertage
Nun ziehen Tage über die Welt,
Gesandt aus blauer Ewigkeit,
Im Sommerwind verweht die Zeit.
Nun windet nächtens der Herr
Sternenkränze mit seliger Hand
Über Wander- und Wunderland.
O Herz, was kann in diesen Tagen
Dein hellstes Wanderlied denn sagen
Von deiner tiefen, tiefen Lust:
Im Wiesensang verstummt die Brust,
Nun schweigt das Wort, wo Bild um Bild
Zu dir zieht und dich ganz erfüllt.
Anton Webern, Fünf Lieder nach Gedichte von Richard Dehmel (1906-1908)
Ideale Landschaft
Du hattest einen Glanz auf deiner Stirn,
und eine hohe Abendklarheit war,
und sahst nur immer weg von mir,
ins Licht -
und fern verscholl das Echo meines Aufschreis.
Am Ufer
Die Welt verstummt, dein Blut erklingt;
in seinen hellen Abgrund sinkt
der ferne Tag,
er schaudert nicht; die Glut umschlingt
das höchste Land, im Meere ringt
die ferne Nacht.
Sie zaudert nicht; der Flut entspringt
ein Sternchen, deine Seele trinkt
das ewige Licht.
Nächtliche ScheuZaghaft vom Gewölk ins Land
fließt des Lichtes Flut
aus des Mondes bleicher Hand,
dämpft mir alle Glut.Ein verirrter Schimmer schwebt
durch den Wald zum Fluß,
und das dunkle Wasser bebt
unter seinem Kuß.Hörst du, Herz? Die Welle lallt:
küsse, küsse mich!
Und mit zaghafter Gewalt,
Mädchen, küsse ich dich.
Himmelfahrt
Schwebst du nieder aus den Weiten,
Nacht mit deinem Silberkranz?
Hebt in deine Ewigkeiten
mich des Dunkels milder Glanz?
Als ob Augen liebend winken:
alle Liebe sei enthüllt!
als ob Arme sehnend sinken:
alle Sehnsucht sei erfüllt -
strahlt ein Stern mir aus den Weiten,
alle �ngste fallen ab,
seligste Versunkenheiten,
strahlt und strahlt und will herab.
Und es treiben mich Gewalten
ihm entgegen, und er sinkt -
und ein Quellen, ein Entfalten
seines Scheins nimmt und bringt
und erlöst mich in die Zeiten,
da noch keine Menschen sahn,
wie durch Nächte Sterne gleiten,
wie den Seelen Rätsel nahn.
Helle NachtWeich küßt die Zweige
der weiße Mond.
Ein Flüstern wohnt
im Laub, als neige,
als schweige sich der Hain zur Ruh:
Geliebte du -Der Weiher ruht, und
die Weide schimmert.
Ihr Schatten flimmert
in seiner Flut, und
der Wind weint in den Bäumen:
wir träumen - träumen -Die Weiten leuchten
Beruhigung.
Die Niederung
hebt bleich den feuchten
Schleier hin zum Himmelssaum:
o hin - o Traum - -Hugo Wolf, Mignon Lieder (1888)
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,
Denn mein Geheimnis ist mir Pflicht,
Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.
Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muß sich erhellen,
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.
Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh,
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen,
Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu,
Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
So laßt mich scheinen, bis ich werde
So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von der schönen Erde
Hinab in jenes feste Haus.
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich laße dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
Und jene himmlischen Gestalten
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verklärten Leib.
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung!
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!